Song

Wer wird über Charlie Chaplin lachen?

From the album “Wer wird über Charlie Chaplin lachen?”

TRACK 13

„Wer wird über Charlie Chaplin lachen?“ ist eine schonungslose Bestandsaufnahme einer Zeit, die immer schneller urteilt und immer weniger empfindet. Zwischen Dauerrauschen, sozialer Kälte, Krieg, Armut und der Flucht vor jeder Stille fragt das Lied, was von Menschlichkeit übrig bleibt, wenn Mitgefühl zur Schwäche erklärt und fremdes Leid zum flüchtigen Bild wird. Am Ende steht die leise Hoffnung, dass die Stimmen humanistischer Dichter und Denker nicht verstummen, solange Menschen noch bereit sind, hinzusehen, zu zweifeln und miteinander statt übereinander zu lachen.

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Lyrics

Strophe 1Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn der Lärm uns jede Stille raubt? Wer kann zwischen tausend Stimmen hören, wenn man nur dem nächsten Urteil glaubt? Jeder Morgen bringt uns neue Bilder, Stunde um Stunde werden wir blind. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn wir nur noch fremde Stimmen sind? Strophe 2Fremde Tränen flimmern auf den Scheiben, bis der nächste Anblick sie vertreibt. Neue Bilder löschen alte Namen, bis kein Name uns im Herzen bleibt. Jeder Schmerz wird Ware für Sekunden, bis der Mensch im Beifall untergeht. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn das Leid im nächsten Bild vergeht? Strophe 3Vor den Läden schlafen arme Menschen, durch die Scheiben duftet warmes Brot. Warme Mäntel ziehen still vorüber, niemand sieht, wie nah uns ihre Not. Hinter Fenstern glänzen volle Tische, draußen zählt ein Mensch, was übrig bleibt. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn Besitz das Mitgefühl vertreibt? Strophe 4Jeder Zweifel stört die festen Lager, jedes Gegenwort gilt als Verrat. Jede Frage öffnet neue Räume, doch die Antwort liegt schon längst parat. Laute Stimmen machen Denken enger, niemand hört, wer leise etwas sagt. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn kein Mensch mehr nach der Wahrheit fragt? Strophe 5Keine Nacht darf ohne Flimmern enden, jede Pause wird mit Lärm gefüllt. Stille könnte uns beim Namen rufen, doch ihr Echo bleibt im Lärm verhüllt. Wir betäuben jede leise Regung, bis kein Zweifel unser Schweigen stört. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn kein Mensch sich selber sprechen hört? Strophe 6Kriege wachsen lange vor den Schüssen, durch die Propaganda die uns eicht. Menschen werden bloße Fallberichte, wenn man Namen von den Listen streicht. Erst verlernen wir das fremde Zittern, bis am Ende nur man selbst noch zählt. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn man offen unsre Kinder quält? BridgeAuch ich wischte weiter durch die Bilder, als ich fremde Tränen vor mir sah. Meine Ruhe wog mir mehr als Mitleid, und ich schwieg zu dem, was dort geschah. Auch ich füllte jede Pause lärmend, damit keine Frage bei mir blieb. Auch ich hielt mich fern von fremden Wunden, bis die Kälte meinen Namen schrieb. Strophe 7Alte Bücher warten in Regalen, ihre Ränder tragen Staub der Zeit. Leise Stimmen tragen Fragen weiter, weil ihr Zweifel uns vom Hass befreit. Was sie dachten, wirkt uns heute ferner, doch ihr Denken reicht noch durch die Zeit. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn kein Satz uns aus dem Lärm befreit? Strophe 8Öffnet wieder jene alten Bücher, wo ihr leiser Atem weiterlebt. Lasst die alten Fragen wieder klingen, bis ihr Wort uns aus dem Schweigen hebt. Heute fehlen Dichter, fehlen Denker, deren Wort noch in den Herzen bleibt. Wer wird über Charlie Chaplin lachen, wenn kein Mensch mehr für den Menschen schreibt? OutroLasst die alten Bücher offen liegen, bis man wieder leise Worte hört. Lasst die alten Fragen wieder gelten, wenn ihr Zweifel unsre Ruhe stört. Lasst uns leise, kluge Stimmen hören, wenn der Spott sich wieder wichtig macht. Lasst uns über Charlie Chaplin lachen, weil er niemals über Menschen lacht.